Ich möchte meine persönliche Meinung zum Thema #dienstpflicht äußern: Ich bin #feuerwehrfrau bei einer #ffw auf dem Land. Wie die meisten freiwilligen Feuerwehren haben auch wir mit Personalnot zu kämpfen.
Hier mal ein paar Daten zu meiner Abteilung: Wir sind auf dem Papier 22 Feuerwehrleute. Darunter sind einige Leute, die aus familiären oder gesundheitlichen Gründen länger ausfallen. Dann gibt es noch Studenten, die nur während der Semesterferien kommen können. Oder Leute, die mittlerweile nicht mehr bei uns in der näheren Umgebung wohnen und deshalb nur bei größeren Einsätzen vorbeikommen, wenn sich die Anfahrt lohnt. Bei Einsätzen Abends oder am Wochenende bekommen wir meistens ca. 7-9 Leute zusammen. Tagesverfügbarkeit? Nur 3-4 Leute. Beides ist zu wenig. In der Abteilung vom Hauptortsteil ist es noch viel schlimmer.
Die Abteilung vom Hauptortsteil hat vor 2-3 Jahren auf besonders originelle Art auf den Personalmangel aufmerksam gemacht: Sie haben Eimer mit der Aufschrift "Keine Feuerwehr im Ort? Selber löschen!" verteilt. Ergebnis: 0 Neuanmeldungen.
Jeder möchte, dass die #feuerwehr sein Haus löscht, wenn es brennt. Oder ihn nach einem Autounfall aus dem Auto befreit. Aber selber freiwillig dafür sorgen, dass die Feuerwehr dazu personell überhaupt in der Lage ist, will offensichtlich kaum jemand.
Ich habe mal ein äußerst interessantes Gespräch mit einigen älteren Kameraden gehabt, die sich noch an die Zeit erinnern können, als es die Feuerwehrabgabe noch gab: Sie haben mir erklärt, dass der Erstatzdienst für die #wehrpflicht kaum eine Rolle gespielt hat für die Neugewinnung von Feuerwehrleuten. Grund war die Ausgestaltung des Ersatzdienstes bei uns in der Gemeinde (nicht in allen Abteilungen möglich, über die gesamte Dienstzeit musste man an jeder Brandsicherheitswache in der Gemeinde teilnehmen,...). Was aber eine große Rolle gespielt hat, das war die Feuerwehrabgabe. Es gab aufgrund der Feuerwehrabgabe so viele Interessenten, dass eine Warteliste geführt werden musste. Als die Feuerwehrabgabe abgeschafft wurde, waren die Männer von der Warteliste sofort weg. Die einzelnen Abteilungen konnten noch lange Zeit von denen profitieren, die wegen der Feuerwehrabgabe ihren Weg in die #freiwilligefeuerwehr gefunden haben und denen es so gut gefallen hat, dass sie geblieben sind. Aber diese Kameraden wechseln nach und nach alle in die Altersabteilung.
Ich bin für mich persönlich zu dem Schluss gekommen, dass es ohne irgend eine Form von Pflicht nicht weitergehen kann. Kann von mir aus auch eine "Verpflichtung" durch Negativanreiz sein, wie es damals bei der Feuerwehrabgabe war. Ich selber bin übrigens das beste Beispiel, dass Feuerwehrdienst für Frauen zumutbar ist 😉 .
Ach ja, zu Guter Letzt: Wenn man es ganz genau nimmt, gibt es in Deutschland ja eigentlich schon so etwas wie eine #dienstpflicht im Bezug auf die Feuerwehr: Nennt sich Pflichtfeuerwehr und kann von der Gemeinde verhängt werden, wenn es zu wenig Freiwillige gibt. Und immer, wenn irgendwo in Deutschland eine Gemeinde davon Gebrauch macht, ist das Geschreie groß.
Für alle, die jetzt denken: Dann soll es halt eine Berufsfeuerwehr richten: Unter https://www.kommunalforum.de/tvoed_eingruppierung_feuerwehr.php findet ihr die TVöD-Eingruppierung für Berufsfeuerwehrleute. Könnt ja mal für eine freiwillige Feuerwehr eurer Wahl nachrechnen, was das kosten würde.