Heute in Strasbourg: Eine Reise durch die Emotionen – und warum Europa mir Hoffnung gibt.
Zunächst stand ich vor dem EU-Parlament im Louise-Weiss-Haus.
Ich verspürte Ehrfurcht und Dankbarkeit, denn hier, in dieser lebendigen, unperfekten, aber funktionsfähigen Demokratie, darf ich leben. Eine Demokratie, die sich weiterentwickelt, Fehler macht – und trotzdem jeden Tag beweist, dass Frieden und Zusammenarbeit möglich sind.
Das zeigte mir auch der Protest, der stattfand. Friedlicher Protest ist nichts Schlimmes, sondern ein wichtiger Bestandteil der Demokratie.
Dann stolperte ich unfreiwillig über die Zeitzeugen des Krieges: die Grenzbefestigungen.
Plötzlich war ich erschüttert und sprachlos. Wie konnte es damals so weit kommen? Wie konnte Europa so zerrissen sein? Ich musste stehen bleiben. Schweigen.
Und dann sah ich es: Graffiti an den alten Mauern. Ein weinendes Mädchen und daneben ein Herz. An einem Gegenstück eines Schlagbaums (nehm ich an). Das war irgendwie ein leiser, aber kraftvoller Protest gegen die Dunkelheit der Vergangenheit. Ein Zeichen, dass selbst an diesen Orten Menschlichkeit und Hoffnung lauern.
Am Ende landete ich im Parc de l’Orangerie vor der Gänseliesel. Diese kleine Statue, die so viel Geschichte in sich trägt, war der perfekte Abschluss. Kein Pathos, keine großen Worte, einfach ein Stück elsässische Lebensfreude, das mir zeigte: Ja, es geht weiter. Ja, wir können lernen.
Europa ist nicht perfekt. Aber es ist lebendig. Und das ist mehr wert, als wir manchmal denken.
Sie wurde zu einer Zeit geschaffen, als das Elsass deutsch war, steht jetzt in Frankreich und verkörpert weder die eine noch die andere Nation. Sie steht für das Landleben im Elsass.
Das Elsass lehrt uns, dass Identität nicht statisch ist. Sie kann zweisprachig, mehrkulturell und europäisch sein, ohne dass man sich zwischen den Nationalitäten entscheiden muss. Straßburg ist der Beweis, dass aus Zerrissenheit Verbindung entstehen kann. Und genau das brauchen wir: mehr Brücken, weniger Mauern.
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