Neunundneunzig Namen – Von Fritz Deppert

Ich erfinde
neunundneunzig Namen für Hoffnung,
ich nenne sie
Stuhl, Tisch, Bett,
Brot, Kaffee, Wein,
Regen, Sonne, Gewitter,
Schmerz, Gesundheit,
Liebe, Schlaf, Vogel, Baum, Kind.
Ich erfinde neunundneunzig Namen
für Menschlichkeit dazu
und notiere sie
in meinem Taschenkalender.
Am Jahresende übertrage ich sie:
Elfter Januar,
Verteuerung der Grundnahrungsmittel
löscht nicht die Erinnerung
an die Geste des Brotbrechens;
Zwölfter April,
Militärdiktatur
verhindert nicht das Gewitter,
das die Luft über der Stadt
reinigt;
Dreizehnter Oktober,
Folter
tilgt nicht den Geschmack
eines Kusses von den Lippen.
Hoffnung, Menschlichkeit:
Hunger und Angst und Gewalt
werden
in das Museum für untergegangene Wörter
gehören.

via aioon5614

https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Deppert

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