Journalismus muss den Menschen die Informationen liefern, die sie brauchen, um sich selbst zu orientieren und politisch handeln zu können.
Was hier von der Medienelite diskutiert wird, ist hingegen, wie man israelische Kriegspropaganda und zionistische Narrative möglichst wirksam in deutschen Medien platziert.
»Der Hass, der auf Israel abgeschickt wird, landet am Ende bei uns Juden in Deutschland.« Was Neumann vom jüdischen Landesverband Hessen hier beschreibt, ist ein reales Problem und eine beinah richtige Analyse. Korrekter wäre: Der Hass, den Israel selbst durch seine Menschenrechtsverbrechen produziert, fällt auf Juden weltweit zurück.
Das liegt auch daran, dass nicht nur Zionisten, sondern auch deutsche Medien Israel und Judentum immer wieder gleichsetzen.
Eine saubere Trennung wäre richtig und wichtig. Aber genau diese Trennung ist von israelischer Seite nicht gewollt, denn sie würde den Zionismus auf mehreren Ebenen untergraben:
1. Legitimationsfunktion: Der Zionismus begründet den Anspruch auf einen jüdischen Staat historisch mit der These, Juden seien in der Diaspora überall prinzipiell unsicher und bräuchten einen eigenen Nationalstaat als Schutzraum. Heute leben Juden in vielen Ländern auf der Welt sicherer als in Israel.
2. Repräsentationsanspruch: Israel erhebt für sich den Anspruch, weltweit für Juden zu sprechen und in ihrem Namen zu handeln.
3. Kritikimmunisierung: Wird Kritik an Israel kategorisch nicht von Kritik an Juden unterscheidbar gemacht, lässt sich jede Kritik leichter pauschal als Antisemitismus framen.
4. Mobilisierungsfunktion: Die Gleichsetzung erlaubt es, jüdische Communities weltweit emotional und finanziell an den Apartheidsstaat zu binden.
5. Geopolitische Erpressung: Die Gleichsetzung macht Boykottforderungen oder Sanktionen gegen Israel diskursiv schwer durchsetzbar, weil Staaten wie Deutschland aufgrund des Holocaust eine historische Verantwortung gegenüber Juden haben. Diese Verantwortung wird so auf die Unterstützung israelischer Politik übertragen.
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