"Der Einstieg ins Fediverse ist kompliziert. So kompliziert, dass das Onboarding eine wichtige Erklärung dafür ist, warum viele potenzielle Nutzer:innen von dezentralen sozialen Netzwerken abgeschreckt sind.
Das Fediverse bietet zwar viel Freiheit, jedoch entstehen im ersten Nutzungskontakt Reibungspunkte, die im Vergleich zu etablierten Plattformen zu einer deutlich schlechteren Nutzerbindung führen. Doch das ist kein Naturgesetz: Ein konsequent nutzerzentrierter Ansatz kann zur Überwindung dieser Barrieren beitragen.
Status quo
Ein wesentlicher Aspekt des Mastodon-Onboardings besteht darin, dass spezifische technische Kenntnisse vorausgesetzt werden. Aus Perspektive neuer Nutzer:innen erscheint die Instanzauswahl, die aus föderationslogischer Sicht notwendig ist, als überfordernd. Zudem begegnet ihnen eine leere Timeline: Eine Person, die keine externen Referenzpunkte nutzt, bekommt zunächst keinen Inhalt zu sehen. Für viele Neulinge ein Grund, die Plattform schnell wieder zu verlassen. Diese Entwicklung wird durch den Einsatz einer fachspezifischen Terminologie ('föderiert', 'Instanz' oder 'Boosts') weiter verstärkt.
Best Practices
Wie könnte es anders gehen? Plattformen, wie TikTok, X, Netflix und Disney+ investieren seit Jahren erhebliche Ressourcen in die Optimierung der 'First Time User Experience' und liefern wertvolle Erkenntnisse, die sich auf das Fediverse übertragen lassen. Die gemeinsame Logik ihrer Ansätze: Die Relevanz des Inhalts entsteht unmittelbar, nicht erst nach erfolgter Registrierung. TikTok präsentiert beispielsweise bereits vor der Einrichtung eines Accounts erste Inhalte und optimiert die Empfehlungen kontinuierlich anhand minimaler Interatktionssignale. Instagram nutzt bestehende soziale Netzwerke, um direkt Verindungen herzustellen und die Feeds neuer Nutzer:innen mit bekannten Gesichtern zu füllen. Gemäß der Prämisse, personalisierte Vorschläge unmittelbar präsentieren zu können, setzt Netflix auf eine frühzeitige Interessenabfrage.
Eine mögliche Zukunft
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Ein erfolgreiches Onboarding demonstriert Nutzer:innen unmittelbar den Nutzen einer Plattform. Für das Fediverse bedeutet dies, dass die technischen Details zugunsten von Relevanz und Orientierung zurückgestellt und der Einstieg deutlich stärker inhaltlich ausgerichtet werden müsste.
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Ein zeitgemäßes Onboarding erstreckt sich nicht lediglich auf die Registrierung, sondern umfasst auch die ersten Nutzungstage. Es beinhaltet Tutorials, Begriffserklärungen, Follow-up-Empfehlungen und Impulse zur Entdeckung neuer Communitys."
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"Simon Uhl ist Consultant, Datenjournalist, Dozent und Entwickler mit Schwerpunkt auf der Schnittstelle von Journalismus, Innovation und Künstlicher Intelligenz."
Super lesenswert!!
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