#mecfs #longcovid #krankheitsm...

#mecfs #longcovid #krankheitsmodell | Dr. Karin Kelle-Herfurth, MHBA
Schlüssig ist nicht geprüft. Und die Verwechslung hat Folgen. In den letzten Beiträgen ging es darum, wie sich in Streits um #MECFS und #LongCOVID die Aufmerksamkeit von den Folgen einer Deutung auf ihre Plausibilität verschiebt. Dabei wird Plausibilität mit Geltung gleichgesetzt, und das Prüfbare relativiert. Eine Erklärung kann schlüssig klingen und trotzdem nichts erklären. Ein Text liest sich flüssig, eine Argumentation fügt sich zusammen, alles passt. Dieses Passen lesen viele als Zeichen, dass die Erklärung zutrifft. Dass eine Erzählung in sich stimmig ist, sagt darüber aber nichts. Stimmigkeit beschreibt, wie sie gebaut ist. Ob sie zutrifft, zeigt erst die Prüfung an der Sache. Und ob sie sich durchsetzt, hängt an etwas Drittem: ihrem Anschluss im Diskurs. Stimmigkeit, Zutreffen und Anschluss sind dreierlei, auch wenn sie sich von innen gleich sicher anfühlen. Welche Bedeutung eine Aussage gewinnt, zeigt sich nicht am Inhalt allein, sondern daran, woran andere anschließen. Erfahrung und Wissen werden in Sprache gefasst und treffen auf eine Kommunikationsordnung, an der entlang sich entscheidet, was anschlussfähig wird. Wie diese Ordnung strukturiert ist, gibt die Form des Kommunikationssystems vor, und diese Selektion läuft der bewussten Prüfung voraus. Geltung bedeutet, dass eine Aussage aufgegriffen und als relevant behandelt wird, nicht, dass sie geprüft wäre. Die Form-Schleife zeigt diese Bewegung. Ein #Krankheitsmodell, das den Schwerpunkt auf erlernte Fehlanpassung legt und Besserung über schrittweise Aktivierung erwartet, kann schlüssig klingen. Es gibt Orientierung, fügt sich in Leistungs- und Gesundheitskulturen, entlastet in Unsicherheit und hält Hoffnung verfügbar. Anschlussfähigkeit wird als Bestätigung gelesen. Nur: Woran würde sich zeigen, dass das Modell nicht trägt? Hier trennen sich schlüssige und geprüfte Erklärung. Die geprüfte benennt, woran sie scheitern würde. Die schlüssige nimmt jede Beobachtung als Bestätigung auf: Bessert sich jemand, gilt das Modell als bestätigt. Verschlechtert sich der Zustand, war die Belastung zu hoch, man dosiert vorsichtiger, bleibt aber bei der Logik. Der Rahmen übersteht jeden Ausgang. Was sich nicht widerlegen lässt, ist nicht geprüft, sondern stimmig. Post-Exertionelle Malaise ist das Kriterium, das diese Schleife nicht aufnimmt. Sie ist beobachtbar und reproduzierbar: Sinkt die Belastbarkeit nach Anstrengung dauerhaft (die Baseline, das verträgliche Aktivitätsniveau), widerlegt das die Annahme, schrittweise Steigerung stelle die Belastbarkeit wieder her. PEM ist deshalb die maßgebliche Steuerungsbedingung für alle klinischen, rehabilitativen und sozialmedizinischen Entscheidungen. Damit liegt die Prüfung außerhalb der Erzählung, nicht in ihr. LLMs verstärken diese Verwechslung. Was bedeutet das für Wissensproduktion und Geltung? Solange Plausibilität für Prüfung gehalten wird, bestätigt sich eine Deutung selbst. Erst die Frage, woran sie scheitern würde, führt aus ihr heraus.




