Thema: Standgebühren / Blockiergebühren
Als ich mein erstes Elektroauto bekommen habe, gab es noch keine Tarife mit Blockiergebühren. Als der erste Tarif Blockiergebühren einführte, war die erste Aufregung groß, und noch heute sind sie ein Thema in Foren und Diskussionen.
Mittlerweile berechnen die meisten Anbieter Blockiergebühren. Die Tarife sind damit komplizierter und teurer geworden, und - da Blockiergebühren auch im B2B berechnet werden - Roaming-Tarife sind in vielen Fällen unattraktiv geworden.
Grundsätzlich kann ich verstehen, wenn ein Anbieter Blockiergebühren erhebt, zumindest bei DC-Ladungen (Schnell-Ladungen). Die teure Infrastruktur soll Umsatz bringen, und ein Auto, das vollgeladen an einer DC-Säule steht, blockiert diese für weiteren Umsatz. An der Tankstelle käme auch niemand auf die Idee, sein Auto mit eingestecktem Tankrüssel vollgetankt an der Tanksäule stehen zu lassen und einkaufen zu gehen.
Es sollte aber immer möglich sein, sein Auto auf ca. 80% Ladestand aufladen zu können, ohne dass Blockiergebühren anfallen.
Wer noch nicht so im Thema drin ist: ab etwa 80% Ladestand (abhängig vom Auto, manchmal auch schon etwas eher) wird die Ladegeschwindigkeit einer Schnellladung aus technischen Gründen deutlich gedrosselt. Auf Langstrecken lädt man deshalb sein Auto unterwegs üblicherweise nur bis auf ca. 70-80% nach und fährt dann weiter; das ist schneller, als immer bis auf 100% zu laden. Der Ladestand wird übrigens auch oft als "SoC" bezeichnet, das steht für "State of Charge".
Es gibt unterschiedliche Varianten von Blockiergebühren:
- Blockiergebühr nach einer festen Zeit, z.B. nach 30min Ladung. Das ist zwar gut kalkulierbar, ist aber gerade für langsamer ladende Autos oft zu knapp. Mein Kona lädt nur mit max. 78 kW und ist in 30min nicht immer auf 80% geladen. Schon öfter habe ich dann nach 29min die Ladung gestoppt, den Stecker abgesteckt und danach einen neuen Ladevorgang gestartet, um Blockiergebühren zu vermeiden.
- Blockiergebühr nach Ende der Ladung. Das scheint grundsätzlich ein faires Modell zu sein, fördert aber auch, dass an Schnellladesäulen bis auf 100% geladen wird und die Säule damit länger blockiert bleibt. Außerdem kommt es in Einzelfällen auch vor, dass eine Ladung abbricht - wenn man dann nicht am Auto ist, fällt auch eine Blockiergebühr an.
- Das aus meiner Sicht fairste Modell hat der französische Anbieter Electra: hier wird eine Blockiergebühr ab 80% Ladestand berechnet - aber nur, wenn die Station ausgelastet ist. Die App informiert darüber und man bekommt auch eine Push-Notification vorab. Auch bieten viele Apps der Auto-Hersteller die Möglichkeit, sich kurz vor Erreichen eines bestimmten Ladestands informieren zu lassen.
Prinzipiell bin ich der Meinung, dass Blockiergebühren gedeckelt sein sollten, z.B. auf die Höhe der Preises einer durchschnittlichen Ladung.
Bei AC-Ladungen ("Normal-Ladungen") sollten die Blockiergebühren zumindest so gestaltet werden, dass eine Ladung über Nacht möglich ist. Tagsüber macht eine Blockiergebühr auch hier manchmal Sinn - sonst werden innenstadtnahe Ladestationen gerne auch als Parkplatz missbraucht, obwohl eigentlich kein Ladebedarf vorliegt. Hier bietet sich aber als Alternative auch eine Parkuhr-Regelung an (z.B. von 08:00 - 20:00 Uhr Begrenzung auf 4h mit Parkuhr).
#Elektroauto #EAuto #emobility #Ladetarif #Blockiergebühr #Standgebühr #BlockingFee