Heute vor 40 Jahren fand in Houston, Texas, das bis dahin gröĂte Konzert in der Musikgeschichte statt:
Rendez-vous Houston â A City In Concert.
Der Name ist wortwörtlich zu nehmen: Der französische Elektronikmusiker Jean-Michel Jarre (
OxygĂšne) bezog die komplette Wolkenkratzer-Skyline von Downtown Houston in seine Show mit ein, und zwar inklusive gigantischen ProjektionswĂ€nden, die auf mehrere Wolkenkratzerfassaden montiert worden waren. Diese Kulisse war mit deutlich ĂŒber einem Kilometer nicht nur breiter als die von Roger Watersâ 1990er AuffĂŒhrung von
The Wall in Berlin, sondern auch bedeutend höher. Jarre ist bis heute der einzige Musiker, der derartig gigantische Lightshows aufgefahren hat.
Zur Show gehörten Skytrackers â die keine wirklichen Skytrackers waren, sondern ausgewachsene Flakscheinwerfer, die auf die DĂ€cher dreier Wolkenkratzer geschafft worden waren, weil normale Skytrackers zu schwach gewesen wĂ€ren. AuĂerdem wurde von den WolkenkratzerdĂ€chern bei mehreren StĂŒcken ein Höhenfeuerwerk und andere Pyrotechnik abgebrannt â in einem US-Bundesstaat, in dem Feuerwerk eigentlich verboten ist.
Mehr als 1,5 Millionen (!) Zuschauer sahen das Konzert vor Ort. Also, mehr oder weniger vor Ort, denn direkt bis vor die BĂŒhne kam man sowieso nicht. Direkt vor der BĂŒhne hĂ€tte man eh nichts gesehen: Die BĂŒhne war so hoch, darunter konnte man aufrecht stehen, und die Lightshow hĂ€tte man von da auch kaum mitbekommen. Die meisten Menschen hörten das Konzert ĂŒber Kofferradios oder Autoradios, weil keine PA so weit reicht. Die Leute kamen den ganzen Tag ĂŒber herangefahren, und als sie nach dem Konzert wieder losfuhren, brach fĂŒr Stunden in Houston der StraĂenverkehr komplett zusammen. Selbst der gewaltige Katy Freeway war von Stunden vor dem Konzert bis Stunden nach dem Konzert komplett verstopft.
Ăbrigens war das Jarres zweites Konzert mit Millionenpublikum â von sechs. Auch das hat auĂer ihm sonst kein Musiker je geschafft. Mit der Zuschauerzahl brach Jarre seinen eigenen Weltrekord von 1979 und sollte den danach selbst mindestens einmal wieder brechen. Er ist nĂ€mlich auch der einzige, der mehr als einmal vor mehreren Millionen gespielt hat.
Die AnlĂ€sse fĂŒr das Konzert waren drei JubilĂ€en: 150 Jahre Texas, 150 Jahre Houston und 25 Jahre NASA. In den ersteren beiden FĂ€llen war der Grund fĂŒr diese Riesenshow vermutlich: âEverythingâs big in Texas.â Und fĂŒr ein Konzert zum 25jĂ€hrigen Bestehen der NASA war damals kaum ein Musiker besser geeignet als der Godfather der elektronischen Musik himself. Folglich wurden bei der Show auch Kennedys âWe choose to go to the Moonâ-Rede und Armstrongs âThe eagle has landedâ-Monolog eingeflogen, erstere gar als Film.
Das heiĂt: Fast hĂ€tte Jarre das Konzert abgesagt, denn im Januar 1986 ist ja das Space Shuttle âChallengerâ beim Start explodiert â die bis dahin gröĂte Katastrophe fĂŒr die NASA und nicht unbedingt ein Grund zum Feiern. Noch dazu sollte der Astronaut Ron McNair an Bord des Shuttle auf seinem Sopransaxophon ein StĂŒck fĂŒr Jarres neues Album
Rendez-vous einspielen und dann das StĂŒck live wĂ€hrend des Konzerts spielen. NASA-Leute und Freunde und Angehörige von Ron McNair haben Jarre dann aber umgestimmt und gesagt, âRonâs Pieceâ sollte im Angedenken an die verstorbene Shuttle-Crew und besonders Ron McNair gespielt werden.
Leider ist das offizielle Video stark gekĂŒrzt und musikalisch nachbearbeitet. Eigentlich war das Konzert zwei Stunden lang.
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