Hebammenarbeit ist gelebte Prävention!

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"Im Artikel »Peripartale Depressionen erkennen und behandeln" werden Publikationen zitiert, in denen sich Zahlen von durchschnittlich ca. 19% Postpartale Depression finden. […] Der Babyblues bildet eine eigene Kategorie und tritt nach knapp der Hälfte aller Entbindungen auf, er dauert weniger als zwei Wochen. […] Auffällig ist aber nach unseren Untersuchungen, dass nach der Begleitung der Schwangeren durch die Bindungsanalyse extrem selten (unter 1%) über Babyblues berichtet wird, obgleich die Gebärenden die gleichen Hormonumstellungen durchlaufen. […]

Im allgemeinen erwartet die Gesellschaft von einer Schwangeren, dass sie sich über das Baby in ihrem Bauch freut. Aber genauso wie bei einer Hochzeit nicht an den üblichen Verlauf einer Ehe und die unvermeidlichen Krisen gedacht wird, unterliegt auch das allgemein erwartete Glück einer Schwangerschaft einer romantischen Verklärung. […]

Auch bei psychotherapeutischen Behandlungen der Peripartalen Depression fallen regelhaft ausgeprägte Verleugnungstendenzen in der Vorgeschichte der Erkrankung ebenso auf wie eine Vielzahl ungelöster (Rollen-) Konflikte, die durch die Schwangerschaft reaktiviert werden können. (Gröhe 2003)

Ein sinngebendes Verständnis der aktuellen Veränderungen im Leben der Frau kann am ehesten im Rahmen einer Psychotherapie ereicht werden. Insbesondere das Verfahren der Bindungsanalyse erlaubt darüber hinaus die Integration transgenerationaler biographischer Einflüsse auf den Verlauf der Schwangerschaft, deren Gewicht bislang weit unterschätzt wurde. Traumatische Erfahrungen in den Vorgenerationen werden mindestens in der Folgegeneration überwiegend unbewußt weitergegeben, sofern sie unaufgearbeitet blieben. (Schroth 2010) In der Nachkriegsgeneration und deren Kindern lässt sich dies gehäuft beobachten. […]

Ausgehend von der bislang beschriebenen psychotherapeutischen Sicht auf die Peripartale Depression kann leicht damit gerechnet werden, dass unter der Geburt das unverarbeitete Konfliktmaterial der Schwangeren reaktiviert und in der Interaktion zwischen der Gebarenden, der Hebamme und dem hinzugezogenen Geburtshelfer in einer undurchschaubaren Weise reinszeniert wird. Es handelt sich dabei um einen tief unbewussten Prozess, der nur einem kundigen Beobachter auffallen wird. Innere Blockaden, die Schwierigkeit des Loszulassens, d.h. das Baby aus dem eigenen Körper in die Welt zu entlassen, werden auf der körperliche Ebene zu somatischen Geburtshindernissen, die dann je nach der von Hebamme oder Arzt angewandten Methode zu einer mehr oder minder gewaltsamen Erfahrung werden kann. Dies wurde bislang als schicksalhafter Begleitumstand einer Geburt hingenommen, verbleibt aber dennoch in scharfem Kontrast zur erholten sanften Geburt. Auch wenn eine reichliche Endorphinausschüttung unter der Geburt die traumatische Erfahrung bald vergessen lässt, sollten wir uns bewusst machen, dass diese Erfahrung dennoch im Unbewussten oder in der Körpererfahrung erhalten bleibt und im Fall einer neuen Schwangerschaft als Angstinhalt wieder auftauchen kann. […]

Die präventive Wirkung der Bindungsanalyse auf die seelische Gesundheit und emotionale Stabilität des Babys war bei den drei Evaluations-Untersuchungen mehr als augenscheinlich. Die Prävention bezog sich aber auch auf die seelische Stabilität der Mutter, sodass die Schwangere unter optimalen Bedingungen in die Geburt eingetreten war. Die positive Geburterfahrung, die regelhaft mit milderen und meist erträglichen Schmerzen einhergeht, hatte für sich eine heilende Wirkung und stärkte das Selbstbewusstsein der Gebärenden so ausdrücklich, dass der Umgang mit dem Neugeborenen wie auch mit der neuen Lebenssituation bezüglich Partnerschaft und Beruf leichter bewältigt werden konnte.

Wir benötigen einerseits dringend ein neues Bewusstsein im Umgang mit Schwangeren und deren psychosozialen Belastungen durch die Schwangerschaft. Andererseits müssen in den Behandlungsangeboten der Psychotherapie Möglichkeiten geschaffen werden, Schwangere und ihre Familie sehr kurzfristig versorgen zu können. Die derzeit üblichen Wartefristen auf eine Psychotherapie von 6 und mehr Monaten sind in einer solchen Situation im Sinne einer Notfallindikation zu priorisieren. Wenn wir Hausärzte, Gynäkologen, #Hebammen, Psychotherapeuten und die Schwangere selbst für diese Zusammenhänge sensibilisieren und ins Boot holen können, ließe sich viel alltägliches Unheil verhindern. Insbesonders muss eine deutlich größere Aufmerksamkeit auf die langfristigen Folgen für die Gesundheitsentwicklung der Folgegeneration gerichtet werden, die durch Peripartale Depression der Mütter entstehen können.

Aufgrund meiner nahezu 40jährigen Behandlungserfahrung als Psychiater und Psychoanalytiker wage ich heute nicht nur die Prognose, dass durch die #Bindungsanalyse eine hervorragende Prävention vor seelischen Erkrankungen zur Verfügung steht. Auch unser Verständnis und die Heilungschancen schwerer psychischer Erkrankungen könnten durch die Bindungsanalyse eine neue Dimension erfahren."

-- Gerhard Schroth in: „Gespräche im Innenraum“. Intrauterine Verständigung zwischen Mutter und Kind.

https://www.mattes.de/buecher/praenatale_psychologie/978-3-86809-060-4.html

#Schwangerschaft #Bindung

Mattes Verlag Heidelberg

"Dazu beschreibt Jochen Stork (1986) ein bemerkenswertes Forschungsergebnis: Bei vielen seelischen Krankheitsbildern wie Psychosen, Psychosomatosen, Perversionen und schweren Neurosen ist folgendes Beziehungsmuster der unbewussten inneren Elternbildern zueinander beschreibbar: „Die unbewusste Vorstellungswelt erscheint wie von einer Mutter-Imago als einem übermächtigen Wesen beherrscht, das in hoch-idealisierter und/oder bedrohlicher Gestalt auftritt, und von dem eine große Anziehung ausgeht. Die Vater-Imago erweist sich demgegenüber als schwächlich, abwesend oder gar inexistent und besitzt im Vergleich zur Mutter-Imago kein Gewicht; auch wenn in manchen Fällen von einem phallisch-väterlichen Element die magische Lösung erwartet wird. Dieses phantasierte Verhältnis der Elternbildern zueinander entspricht keineswegs in einfacher Form der Wirklichkeit der Beziehungen, die Mutter und Vater verbinden." Diese unbewusste Mutter-Imago aus einem Misslingen des Zusammenspiels der Geschlechter (auf der aktuellen Ebene von Mutter und Vater, auf der transgenerationalen Ebene von Großmutter und Großvater, Urgroßmutter und Urgroßvater weckt Assoziationen zum Konzept des „in-trauterinen Mutterrepräsentanten" von Jenö Raffai (in diesem Band).

Kai von Klitzing (2002) erforscht über Interviews mit Eltern während der Schwangerschaft deren triadische Kompetenz. Mit triadischer Kompetenz im Kontext von Elternschaft beschreibt von Klitzing »die Fähigkeit von Vätern und Müttern, ihre zukünftigen familialen Beziehungen zu antizipieren und zu konzeptionalisieren - d.h. das Kind als Drittes bereits auf der Ebene der Vorstellungen in die eigene Beziehungswelt zu integrieren -, ohne sich selbst oder den Partner aus der Beziehung zum Kind auszuschließen." Diese Kompetenz bildet einen Teil der seelischen Vorstellungswelt der Eltern in Bezug auf ihr ungeborenes Kind. Diese „Kompetenzen haben ihre Wurzeln in vergangenen Beziehungserfahrung der Eltern (meistens während ihrer eigenen Kindheit), und sie werden durch aktuelle Beziehungserfahrung (meistens in der elterlichen Partnerschaft) immer wieder umgearbeitet". Das Ergebnis der pränatalen Interviews ist folgendes: Je mehr die Eltern bereits auf einer phantasmatischen Ebene das wachsende Kind in ihre innere und äußere Beziehungswelt während der Schwangerschaft integrieren können (ohne Ausschlusstendenzen gegenüber dem Beziehungspartner), desto besser ist die Qualität der Eltern-Säuglings-Interaktionen in einer Spielsituation vier Monate nach der Geburt: Die Säuglinge waren aktiv in den Dreier-Interaktionen und fähig, mit beiden Eltern in einen Beziehungskontakt zu kommen. Je höher die triadische Beziehungskompetenz der Eltern pränatal eingeschätzt worden war, desto liebevoller und konstruktiver zeigten sich die Themen der untersuchten Kinder im Alter von vier Jahren in Erzähltests; und desto weniger an aggressiven Verhaltensproblemen wiesen sie im Vorschulalter auf. […]

Durch die Arbeit in der pränatalen Bindungsförderung besteht die Chance, auf Konfliktmuster der Eltern und auf entstehende Inbilder im Kind einen förderlichen Einfluss zu nehmen, wie am Beispiel von Cora und Kevin illustriert. Der förderliche Einfluss erfolgt dadurch, dass die Einstellungen und die Zusammenarbeit der Eltern in ihrem konkreten Alltagsverhalten in der Bindungsanalyse Beachtung, affektives Miterleben und Sprache finden. Über die Beachtung elterlicher Verhaltensmuster hinaus wird angestrebt, die Potenziale in Mutter, Vater und Kind sowie zwischen ihnen zu fördern, Blockaden zu lösen und ungelöst gebliebene Konflikte der Eltern aus deren Kindheit zu identifizieren. Diese Konflikte kreisen in der Regel um aggressive, sexuelle und narzisstische Themen und um Phantasien, Wünsche, Schutz- und Verteidigungsmechanismen. Durch Arbeit mit Konflikten der Eltern, der eventuellen Empfehlung einer Therapie und durch Förderung von deren Kommunikation mit dem Ungeborenen wird Prävention geleistet gegen seelische Erkrankungen in der neuen Generation.

[…]"

-- Ursula Volz-Boers. In: „Und am Anfang riesige Räume ... und dort erschien das Baby“. Berichte aus dem intrauterinen Raum.

https://www.mattes.de/buecher/praenatale_psychologie/978-3-86809-090-1.html

#Bindungsanalyse #Schwangerschaft #Hebammen

Mattes Verlag Heidelberg

Mecklenburg-Vorpommern setzt auf wohnortnahe Geburtshilfe trotz sinkender Geburtenzahlen
Gesundheitsministerin Stefanie Drese betont im Landtag Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung und neue Versorgungsmodelle
#Geburtshilfe #Gesundheitsversorgung #Hebammen #Krankenhausreform #MecklenburgVorpommern #Pädiatrie #sektorenübergreifendeVersorgung

https://www.medconweb.de/blog/qualitaet/mecklenburg-vorpommern-setzt-auf-wohnortnahe-geburtshilfe-trotz-sinkender-geburtenzahlen/

Mecklenburg-Vorpommern setzt auf wohnortnahe Geburtshilfe trotz sinkender Geburtenzahlen

Mecklenburg-Vorpommern will Geburtshilfe trotz sinkender Geburtenzahlen flächendeckend sichern und neue Versorgungsmodelle stärken.

medconweb.de

Jeder, der eine Geburt selbst erlebt oder bei einer dabei sein durfte (mal abgesehen von der eigenen 😉), weiß:

"Hebammen erbringen unter großem Druck und immenser Verantwortung eine unglaubliche Leistung"

Respekt!!!

#Welthebammentag #hebammen

Heute tagt die Bürgerschaft. Unsere wichtigsten Themen auf der Tagesordnung:

⛽️ Regierungserklärung: #Olympia? Nein, Danke!
🤐 #Hebammen: Weg mit der Gebührenabzocke!
#PASbleibt: Ausbildungskitas retten!

Ab 13:30 live: https://www.hamburgische-buergerschaft.de/aktuelles/buergerschaft-live

Internationaler Hebammentag am 5. Mai: In OWL gibt es laut ASB zu wenig Hebammen – die HSBI arbeitet gegen den Mangel

🔗 Mehr in unserer Pressemitteilung: https://www.hsbi.de/presse/pressemitteilungen/zum-int-hebammentag-am-5-mai-in-owl-gibt-es-laut-asb-zu-wenig-hebammen-die-hsbi-arbeitet-gegen-den-mangel

#HochschuleBielefeld #HSBI #Hebammen

Internationaler Hebammentag 5.Mai - Dank geht raus an alle, die sich wie die Pflegenden die Nächte und die Wochenenden für die Familien um die Ohren schlagen #femalehealth #frauengesundheit #hebammen #midwives #GynZone