„Nie wieder“ sagt Hape Kerkeling

Weil es im Alltagsrauschen gerne untergeht: Bei der Gedenkfeier in Buchenwald gab es bei Kulturstaatsminister Weimer Zwischenrufe und Unmutsbekundungen, nicht so bei dem, was Hape Kerkeling vorzutragen hatte.

Hubert Arnold hat über eMail-Kirche der ev. Kirche in Beuel die ganze Rede von Hape Kerkeling versendet. Persönlich haben mich diese Worte bewegt und zum Nachdenken gebracht, vor allem mit Blick auf das, was heute wieder Einzug hält. Wir sollten es lesen.

Hape Kerkeling zur Gedenkfeier in Buchenwald:

Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Überlebende,

wenn ich heute durch das Tor von Buchenwald gehe, dann tue ich das nicht als öffentliche Person, sondern als Enkel eines Überlebenden. Ich gehe den Weg, den mein Großvater, Hermann Kerkeling, ab dem 2. Juli 1942 gehen musste. Er war kein Mann der großen Worte, aber ein Mann der Tat. Ein Zimmermann aus Recklinghausen, der zupacken konnte, der Strukturen schuf, der mit seinen Händen arbeitete. Er war ein Mensch, der schlichtweg nicht bereit war, wegzusehen, als die Dunkelheit über Deutschland hereinbrach.

Doch am 2. Juli 1942 wurde er zur Nummer 6177. Ein sogenannter „politischer Häftling“. In den Augen des faschistischen Apparats war er ein „Hochverräter“. Hier wurde er gefoltert, gedemütigt und wurde Zeuge unzähliger Morde. Dass er diesen Wahnsinn überlebt hat, ist ein Wunder.

Für mich steht sein „Hochverrat“ heute als das höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit.

Mein Opa Hermann hatte unmittelbar nach der Machtergreifung im Jahre 1933 Flugblätter gegen Hitler verteilt. Er hat nicht geschossen, er hat nicht sabotiert – er hat lediglich die Wahrheit geschrieben, gedruckt und verteilt. Das kostete ihn zwölf Jahre seines Lebens.

Zwölf Jahre! Denken Sie kurz darüber nach.

Was haben Sie in den letzten zwölf Jahren getan? Sie haben Kinder großgezogen, Karrieren verfolgt, geliebt, gelebt.

Hermann saß in Haft, zunächst in der sogenannten „Hölle von Recklinghausen“, in diversen Zuchthäusern und schließlich hier, auf dem Ettersberg.

Mein Großvater musste hier in der Effektenkammer seine Zwangsarbeit verrichten. Im Maschinenraum der Entmenschlichung. Er musste den Raub an seinen Mitmenschen verwalten. Uhr, Ehering, Brille, Brosche, Gebiss – alles wurde registriert, als handele es sich um bloße Lagerware. (Anmerkung: Hier empfiehlt sich, noch mal einen Blick auf das Foto oben zu werfen.)

Hier liegt eine der bittersten historischen Lehren… Die Barbarei beginnt nicht mit dem ersten Schuss; sie beginnt dort, wo Menschen nur noch Nummern in einer Statistik sind, wo das Mitgefühl der Buchhaltung weicht und das Gewissen der sinnentleerten Gehorsamspflicht.

Als mein Großvater hier heute vor 81 Jahren, 1945, befreit wurde, war er 44 Jahre alt. Körperlich ein gebrochener Mann, geplagt von Krankheiten, die ihn nie wieder verlassen sollten; von einer tiefen Müdigkeit, die keine Nachtruhe der Welt heilen konnte. Eine echte Wiedergutmachung hat er nie erhalten; man hat ihn nach dem Krieg mit ein paar Mark abgespeist.

Und das Bitterste: Die Aufhebung seines Unrechtsurteils wegen „Hochverrats“ hat es zu seinen Lebzeiten nie gegeben. In den Augen der Bürokratie blieb der Verfolgte ein Vorbestrafter.

Aber das Schwerste für uns als Familie war sein bleiernes Schweigen. Dieses dröhnende Schweigen war wie eine Mauer aus Glas, die seine Seele umgab. Wir – seine Familie – konnten ihn sehen, aber wir konnten ihn nur selten erreichen. Vielleicht wollte er uns schützen? Er wollte nicht, dass die grausame Kälte und der blinde Hass dieses Ortes in unsere warme Wohnstube in Recklinghausen kriecht.

Viele der Überlebenden der Nazi-Diktatur haben für sich den Weg des Schweigens gewählt. Das mag uns Erben eine Ahnung vom Horror des Durchlebten geben. Es war und ist unbeschreiblich und unsagbar.

Wir, die Bürger der Bundesrepublik Deutschland, tragen keine Schuld an den Taten von damals. Aber wir tragen die Verantwortung für die Konsequenzen dieser Taten im Hier und Jetzt.

So etwas wie eine „Gnade der späten Geburt“ gibt es nicht, es gibt nur die Pflicht der späten Erkenntnis. Wer heute behauptet, die Geschichte des Faschismus in Deutschland sei ein abgeschlossenes Kapitel, der hat nicht verstanden, dass die bösen Geister von damals nicht in den Ruinen von Buchenwald geblieben sind.

Sie warten darauf, in verunglimpfender Sprache, bösartiger Hetze, im dumpfen Ressentiment und in der alltäglichen Gleichgültigkeit wieder geweckt zu werden.

Wer die Erinnerung an die Opfer als Belastung empfindet, vergisst, dass diese Erinnerung das einzige ist, was uns vor einer Zukunft als Täter schützt.

Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen! Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Artikel 1 des Grundgesetzes ist die direkte, in Stein gemeißelte Antwort auf Buchenwald. Er ist die Antwort auf die Effektenkammer, auf die Selektion, auf die Vernichtung von Menschen.

Am Tor von Buchenwald steht dieser furchtbare Satz: „Jedem das Seine“. Die Nazis meinten damit: Den Häftlingen den Tod, uns die Macht. Aber wir, die Nachfahren, wir deuten das heute um. „Jedem das Seine“ bedeutet für uns: Jedem Menschen seine unveräußerliche Würde. Jedem Menschen seine Freiheit. Jedem Menschen sein Recht, so zu sein, wie er ist – egal, woher er kommt, woran er glaubt oder wen er liebt.

Ich habe lange gebraucht, um über das Schicksal von Opa Hermann zu sprechen. Aber jetzt ist die Zeit gekommen. Wir, die Nachfahren der Überlebenden, müssen die Wächter der Erinnerung sein – nicht aus Bitterkeit, sondern aus tiefer Liebe zur Freiheit.

Demokratie ist kein Geschenk, das man einmal erhält und dann besitzt; sie ist ein Versprechen, das jede Generation aufs Neue gegen die Bequemlichkeit des Wegsehens verteidigen muss.

Opa Hermann hat geschwiegen, um seine Familie zu bewahren. Ich spreche heute, um ihn und alle Opfer, die hier litten und starben, zu ehren. Und ich bitte Sie alle: Sprechen auch Sie. Lassen Sie nicht zu, dass das Schweigen wieder die Oberhand gewinnt. Denn die Demokratie lebt nicht vom Wegsehen, sondern vom mutigen Hinsehen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das „Nie wieder“ kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern unser täglicher Kompass ist.

Nie wieder!“ sagt Hape Kerkeling.

Es gab auch Überlebende, die haben sich in ihrer Wehrmachtsuniform beerdigen lassen und es gab auch Überlebende, die der Nazi-Führungsriege hörig waren und ihren braunen Mantel erfolgreich weggelogen haben. Dazu der Podcast vom WDR, Riefenstahl: Influencerin des Bösen. Die Dame ist 101 Jahre alt geworden und in ihrem selbst geschönten Nachlass gab es auch kistenweise Tondokumente. Katja Paysen Petersen hat den Worten von Leni Riefenstahl Fakten gegenüber gestellt. Das Ergebnis: es braucht kein Social Media um wirklich Böse zu sein (auch wenn es hilft).

Es schleicht sich ein, es ergreift Besitz, es ist, als wäre es nie geschehen, wir müssen nur in den Schulbüchern ein paar Seiten entfernen und alsbald übergeben wir wieder alles Nichtdeutsche dem Feuer.

Von meiner Seite: ein Kulturstaatsminister Hape Kerkling könnte diesem Amt nicht nur Kompetenz zurückgeben, sondern auch Würde.

„Nie wieder“ sagt Hape Kerkeling – Beueler-Extradienst

🎭 Ich habe diese #Petition gestartet – weil ich überzeugt bin:
#HapeKerkeling wäre ein #Bundespräsident, dem alle vertrauen können.
Überparteilich. Warmherzig. Glaubwürdig. Genau das, was unsere #Demokratie jetzt braucht.
✍️ Bitte unterzeichnen: weact.campact.de/p/hape-bundespraesident #campact #weact #Deutschland
Bei Weimar ist der Befreiung des KZs Buchenwald vor 81 Jahren gedacht worden. Hauptredner Hape Kerkeling erzählte bei der Gedenkveranstaltung von seinem Opa Hermann, der dort als politischer Häftling 12 Jahre lang inhaftiert war. #Buchenwald #HapeKerkeling #Gedenken #ZDFheute
Wahre Worte von #hapekerkeling . Aber genau das will die #afd . #afdverbot !

Eine wirklich eindrucksvolle Rede hielt Hape Kerkeling am Sonntag (12.04.2026) anlässlich des Gedenktages zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 11.04.1945. Das Video dazu ist im Beitrag verlinkt.

#HapeKerkeling #Gedenken #Buchenwald #GegenDasVergessen
Buchenwald: Hape Kerkeling hält Rede zum Gedenktag

Buchenwald: Hape Kerkeling hält Rede zum Gedenktag

Harpe Kerkeling spricht an der Gedenkstätte Buchenwald zum Gedenktag der Befreiung. Sein Großvater war ein Gefangener und wurde gerettet.

ZDFheute

"Wer die Erinnerung an die Opfer als Belastung empfindet, vergisst, dass diese Erinnerung das einzige ist, was uns vor einer Zukunft als Täter schützt."
Hape Kerkeling

Man kann zum komödiantischen Talent von #HapeKerkeling stehen, wie man mag. Aber mit seinem Statement in der KZ-Gedenkstätte #buchenwald zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ am 12. April hat er wahre Worte gefunden.

Wenn man die #meinungsfreiheit hier im #fediverse und über all sonst liebt und lebt, wenn man für #vielfalt steht, sollte man die Gefahr sehen die extremistische Parteien wie die #noafd für unsere #gesellschaft bedeuten.

Ohne Viele Worte zu verlieren: #niewiederistjetzt und keine Macht der #noafd !

„Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.“ - Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
https://www.stiftung-gedenkstaetten.de/reflexionen/reflexionen-2026/kerkeling

„Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.“ - Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Webseiten der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Gedenken an KZ-Befreiung: Ein Mann mit Würde

Hape Kerkeling hat in der Gedenkstätte Buchenwald eine berührende Rede gehalten. Wolfram Weimers Ansprache wurde lauthals gestört. Ist das nun deutsche Erinnerungskultur?

DIE ZEIT

"Hier liegt eine der bittersten historischen Lehren: Die Barbarei beginnt nicht mit dem ersten Schuss; sie beginnt dort, wo Menschen nur noch Nummern in einer Statistik sind, wo das Mitgefühl der Buchhaltung weicht und das Gewissen der sinnentleerten Gehorsamspflicht."
Hape Kerkeling

„Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.“ - Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
https://www.stiftung-gedenkstaetten.de/reflexionen/reflexionen-2026/kerkeling

#HapeKerkeling #Buchenwald

„Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.“ - Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Webseiten der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Die starke Rede von #HapeKerkeling über seinen #Grossvater und das Vermächtnis von #Buchenwald (ab circa 56te Minute). Davor die von Protesten und Buhrufen begleitete Rede von #Kulturstaatsminister #Weimer.

81. Jahrestag der #Befreiung des #KZ Buchenwald - YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=e_PsNIl8sX8

81. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald

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