Für eine Renaissance des geschriebenen Wortes. Albrecht von Lucke zum Abschluss. Der Journalist und Redakteur der politischen Fachzeitschrift "Blätter für deutsche und internationale Politik"
@[email protected] startete mit Jürgen Habermas. Der kürzlich verstorbene Philosoph hat die BRD und ihre Debatten sieben Jahrzehnte lang geprägt. Und die meiste Zeit ging das über das geschriebene Wort. Ja, es gab auch früher Streitgespräche. Aber immer wieder wurden die Argumente verschriftlicht und im Gedruckten ausgetauscht.
Seit Anfang der 1990 sieht Albrecht von Lucke diese intellektuelle Tradition im Niedergang. Angefangen mit Polit-Talkshows - heute in Podcast. Der Trend gehe zum gesprochenen Wort. Und dort in der Regel nicht im intellektuellen Streit, sondern eher im konsensualen Austausch.
Mich hat das an die Session zum Mythos Blogisphäre erinnert. Für mich waren Blogs auch so ein Ort der schriftlichen Auseinandersetzung. Jemand hat "einen rausgehauen" und man hat sich im eigenen Blog daran abgearbeitet. Für mich waren Blogs immer ein Ort der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Ideen und Argumenten. Und das sind sie für mich auch immer noch. Für mich gehören Links und Bezüge zu anderen Texten zu einem guten Blogtext. Deswegen habe ich bspw. neulich über Michael Seemanns
@[email protected] Theorie des Relationalen Materialismus gebloggt. Vor allem, um mir seine Ideen zu erarbeiten. Da ist jetzt nicht viel Widerspruch drin. Aber Ideen leben von der Resonanz und dazu gehört, fur mich manchmal, dass ich meine Gedanken öffentlich mache - damit andere auch etwas davon haben.
Ja. Ich sehe das wie Albrecht von Lucke: Geschriebenes gehört zu einer gesellschaftlichen Diskussion.
Die Idee, dass die re:publica ein Teil. der Sessions nich einmal in einer Art Tagungsband vorlegt, wäre ein Gedankenansatz, den man mal verfolgen sollte. Vielleicht fällt jemandem dazu eine zeitgemäße Form ein. Das wäre jedenfalls nachhaltiger, wenn man es schaffen würde die re:publica irgendwie schriftlich weiterführen könnte. Mir fallen jedenfalls während ded Sessions immer 1000 Dinge dazu ein, die ich dann praktisch nie in die Diskussion einbringe. Wenn anderen das auch so geht: Was für ein Verlust am öffentlichem Denken. Was für ein verschwendetes Potenzial!
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