Laura Schroeder – „Maret“ (2023)

Identität ist im Kino oft nur eine romantische Idee. Ein innerer Kern, verborgen unter Verletzungen, der irgendwann wieder freigelegt werden kann. Erinnerung als Wahrheit. Vergangenheit als Schicksal. Sowas. Laura Schroeder dreht dieses Narrativ radikal um. Die Frage lautet hier nicht: „Wer bin ich wirklich.“ Sondern: „Wer will ich gewesen sein?“ (ARTE, Neu!)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/laura-schroeder-maret-2023/
Ayşe Polat – „Im toten Winkel“ (2023)

Kann ein Film zugleich ästhetisch überzeugen, spannend und politisch notwendig sein? Die Frage wirkt fast schon naiv, wenn Streamingalgorithmen vor allem nach Aufmerksamkeit sortieren. Doch genau da liegt die Herausforderung. Ein Film wird notwendig, wenn er blinde Flecken sichtbar und Machtverhältnisse neu lesbar macht. Wirklich gut wird er aber erst, wenn er seine Dringlichkeit nicht als Parole benutzt, sondern als Form. Dann trägt das Kino Verantwortung und entfaltet zugleich seine künstlerische Kraft. Ayşe Polat kann das! (ARD, Wh.)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/ayse-polat-im-toten-winkel-2023/
Björn Runge – „Die Frau des Nobelpreisträgers“ (2017)

„Hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau.“ – Doch was bleibt von dessen ganzem Ruhm, wenn der auf einer Lüge beruht? Regisseur Björn Runge legt den Finger genau auf diese Wunde – leise, präzise, und mit einer Glanzleistung von Glenn Close, die für diesen Film alleine jeden Nobelpreis verdient hätte. (ARD, Wh.)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/glenn-close-jonathan-pryce-die-frau-des-nobelpreistraegers-2017/
Pola Beck – „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ (2022)

Ein wirklich großer Film, dem es gerecht würde, ihn zu lieben, auch wenn er es uns nicht wirklich einfach macht. Denn die Geschichten von Mascha, erzählt von Regisseurin Paula Beck und ihrer Hauptdarstellerin Aylin Tezel, ergeben keine lineare Heldinnenreise, sondern erzählen von Flucht und einer Suche nach Heimat und Identität. (ZDF, Wh.))

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/aylin-tezel-der-russe-ist-einer-der-birken-liebt-2022/
Gurinder Chadha – „Kick It Like Beckham“ (2002)

Dass dieser Film damals pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft (der Frauen) wieder in der ARD aufgetaucht ist, war für mich eine kleine Sensation. Nein, wirklich: Dass ausgerechnet die öffentlich-rechtliche Bürokratiemühle so etwas hinbekommt – Herz, Timing und Kontext – hätte ich fast nicht mehr für möglich gehalten. Siehe da: In dem Apparat sitzen offenbar doch Menschen! Seitdem immer wieder Stammgast in der Mediathek. Ich kann mich wirklich darüber freuen. (ARD, Wh.)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/gurinder-chadha-kick-it-like-beckham-2002/
Yael Bartana – „Die Präsidentin – Two Minutes to Midnight“ (2021)

„Die Präsidentin“ ist keine gewöhnliche Dokumentation, sondern eine künstlerische Versuchsanordnung, die uns zwingt, unsere Vorstellungen von Macht und Geschlecht neu zu denken. Yael Bartana konstruiert die Welt, die nicht nur im Film, sondern auch in unserer Wirklichkeit brennt: Zwei Minuten vor Mitternacht, kurz vor dem Untergang der Welt. Sie stellt die Kunst als letzte Barriere gegen „Präsident Twittler“. Das müssen Sie sehen! (ARD, Wh.)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/yael-bartana-die-praesidentin-two-minutes-to-midnight-2021/
Haifaa Al Mansour – „Die perfekte Kandidatin“ (2019)

Haifaa Al Mansour ist eine aufregende Filmemacherin. Sie war es, die mit „Das Mädchen Wadjda“ 2012 den ersten vollständig in Saudi-Arabien gedrehten Spielfilm überhaupt präsentierte und damit als Regisseurin und als Frau tatsächlich Geschichte geschrieben hat. 2019 ist sie für den Film „The Perfect Candidate“ / „المرشحة المثالية“ aus den USA in ihre Heimat zurückgekehrt. (ARD, Wh.)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/haifaa-al-mansour-die-perfekte-kandidatin-2019/
John McNaughton – „Wild Things“ (1998)

Eine Versuchsanordnung in der Hitze Floridas. Von allem zu viel: Sonne, Schweiß, Sex, Intrigen, Gewalt. Ein Film, als konventioneller Erotikthriller getarnt, der aber alle Erwartungen unterläuft. Grell, überzogen, präzise kalkuliert und zugleich viel raffinierter, als sein ziemlich trashiger Ruf vermuten lässt. In einer Welt, die nach patriarchaler Logik geordnet wurde, kippen hier die Machtverhältnisse, bis am Ende gar nichts und (fast) keine:r mehr steht. (ZDF, Wh)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/john-mcnaughton-wild-things-1998/
Michael Apted – „Die Spezialistin“ (2017)

Hier gibt es keinen Glamour, kein Pathos, und keine Nationalhymnen über Bildern von Flaggen im Wind. Das ist ein harter Agentinnenfilm ohne jedes Trostpflaster, der zeigt, wie Geheimdienste Menschen verschleißen. Noomi Rapace rennt durch London und Prag, ständig auf der Flucht und doch nie frei. Gewalt ist hier kein Showeffekt, sondern das Grundrauschen eines Systems, das immer mehr zerstört, als es beschützen kann. (ZDF, Wh)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/michael-apted-noomi-rapace-die-spezialistin-2017/
Phillip Noyce – „Salt“ (2010)

Ich hätte da mal eine Frage: Ist das hier jetzt nur deshalb ein feministischer Action-Reißer, weil hier eine Frau „auf die Fresse kriegt“ und ebenso austeilt? Oder ist es nur eine weibliche Version der üblichen, männlichen Stereotypen, die wir schon seit Jahrzehnten kennen. Ganz ehrlich? Das ist mir völlig egal. Angelina Jolie macht es gut. Sehr gut. Ethan Hunt und Jason Bourne haben eine große Schwester. Ihr Name ist Salt. Evelyn Salt. (ZDFneo, Wh.)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/angelina-jolie-salt-2010/