đŸ‡ș🇩 #NowPlaying on BBC #Radio3's #20thCenturyRadicals Christina Kubisch & Christina Kubisch: đŸŽ” Five Electrical Walks - V. Night Shift #BBCRadio3 #ChristinaKubisch

Carola Bauckholt und Christina Kubisch erforschen unerhörte KlÀnge

FĂŒr Carola Bauckholt (1959) ist ein rostiges Schild oder ein ins Stocken geratener Benzinmotor genauso musikalisch wie ein Instrument. In ihren Kompositionen stösst eine angenehme Entfremdung auf ein erfrischendes GespĂŒr fĂŒr Humor.

Kollegin Christina Kubisch (1948) geht noch einen Schritt weiter: mit speziellen Sensoren macht sie die uns umringenden elektromagnetischen Felder hörbar. Muziekgebouw aan ’t IJ bat die beiden zu reagieren auf die Arbeit der Anderen. Das fĂŒhrte zu drei neuen Kompositionen, die vom Nieuw Ensemble uraufgefĂŒhrt werden am 9. Februar 2017 im Muziekgebouw aan ’t IJ, Amsterdam.

Bauckholt und Kubisch beantworteten mir ein Paar Fragen.

Was charakterisiert Sie als Komponist?

Bauckholt:

Meine Neugierde ist ein starker Motor. Wenn ich schon weiß wo es hin geht, dann fĂŒhle ich mich ĂŒberflĂŒssig, auch als Hörerin. Deshalb probiere ich KlĂ€nge und ZusammenhĂ€nge aus, die ich so noch nicht erlebt habe.

Am Anfang steht immer Etwas, was mich fasziniert und was ich nicht begreife. Mich interessiert auch unsere Wahrnehmung, zum Beispiel wenn Menschen das Gleiche hören, aber es ganz verschiedene Gedanken und Assoziationen auslöst. Es ist faszinierend dass sich die Musik nicht fassen lĂ€sst. Deshalb versuche ich immer wieder das zu verstehen.

Carola Bauckholt (site MGIJ)

Kubisch:

Ich habe Malerei, Mu­sik und auch zwei Jahre Elektrotechnik studiert. Aus dieser Perspektive realisiere ich nicht nur Mu­sik son­dern auch In­stal­la­tio­nen, Performan­ces, Zeich­nun­gen, Walks und Videos. Mei­ne Ar­bei­ten ha­ben sehr oft ei­nen kon­kre­ten Be­zug und set­zen sich mit bestimmten Or­ten aus­ein­an­der.

Ausgangspunkt ist dabei eine genaue Re­cher­che und Feld­for­schung. Mich interessiert die Integration verschiedener Medien, wobei mich das VerhÀltnis zu unser zunehmend digitalisierten Welt besonders beschÀftigt.

Carola Bauckholt, Ihr neues Werk heißt ‘Point of Presence’. Warum dieser Titel und wie verhĂ€lt sich das StĂŒck zum Schaffen der Christina Kubisch?

Mich hat die Arbeit von Christina Kubisch sehr begeistert. Zum einen die elektromagnetischen KlĂ€nge selbst, die uns stĂ€ndig umgeben und die sie mit speziellen Mikrofonen hörbar macht. Zum anderen wollte ich aber auch mehr ĂŒber ihre MusikalitĂ€t erfahren, wie sie mit diesen Aufnahmen umgeht.

Ich habe mir aus ihrem riesigen Fundus 12 KlĂ€nge ausgesucht, die ich fĂŒr das Nieuw Ensemble instrumentiert habe. Der Titel Point of Presence beschreibt zum einen die starke und immer stĂ€rker werdende PrĂ€senz der unsichtbaren und unhörbaren elektromagnetischen Felder, die uns umgeben.

Zum anderen deutet dieser Begriff konkret hin auf einen Knotenpunkt innerhalb eines Kommunikationssystems. An diesem Point of Presence werden die Verbindungen fĂŒr den Daten- und Sprachverkehr von den verschiedenen Vermittlungsstellen zusammengefĂŒhrt. Es ist interessant, wo die vielen Ebenen der Gegenwart zu finden sind.

Christina Kubisch (site Certain Sundays)

Christina Kubisch, Sie schrieben gleich zwei neue StĂŒcke: ‘Wien Landstraße’ und ‘Seven Magnetic Places’. Wie reflektieren diese auf die Musik der Bauckholt?

In Carolas Kompositionen treffen oft verschiedene Welten zusammen: die der instrumentalen Musik und die des GerĂ€usches, des field recordings, manchmal auch Sprache oder Video. Dieses Zusammentreffen realisiert sie in ihren StĂŒcken in einer sehr persönlichen musikalischen Sprache, oft mit subtilem Humor, die mich aufgrund ihrer OriginalitĂ€t von Anfang an interessiert und fasziniert hat.

Unsere Grundidee fĂŒr eine Zusammenarbeit war unsere KlĂ€nge auszutauschen und dann zu remixen. Wien Landstraße ist ein StĂŒck fĂŒr Zuspiel und string ensemble. Von Carola verwende ich kurze, rein instrumentale samples aus verschiedenen ihrer Kompositionen, die in neuen Kombinationen erscheinen. In anderer Besetzung, in neuen Abfolgen, Überlagerungen, als loops, in verĂ€nderter Dynamik und Dauer.

Diese Ausschnitte verbinden sich in dem StĂŒck mit den elektromagnetischen KlĂ€ngen des Untergrundbahnhofs ‘Wien Landstraße’ in Wien. Da habe ich in den letzten beiden Jahren mehrmals die magnetischen Felder mit einem speziellem Induktionskopfhörer aufgenommen.

Die samples sowie die magnetischen KlÀnge wurden nicht elektronisch bearbeitet. Verschiedene RealitÀten treffen aufeinander und verbinden sich zu einer neuen Einheit, bei der man manchmal nicht mehr erkennt, was Instrument und was elektromagnetischer Klang ist.

In Seven Magnetic Places geht es wie in Carolas Point of Presence um Datenströme, ohne die wir heute nicht  mehr auskommen können. Sie begegnen sich und Fließen dann in eine andere Richtung. Sie sind ĂŒberall gegenwĂ€rtig. Die Aufnahmen wurden in verschiedenen Rechenzentren und Server rooms in Europa und den USA gemacht.

Wie seid Ihr vorangegangen?

Bauckholt:

Ich habe viel die Aufnahmen von elektromagnetischen KlĂ€ngen von Christina gehört und mir dabei vorgestellt, wie sich das instrumentieren lassen könnte. NatĂŒrlich ist das unmöglich, aber diese Klangfelder sind so anders als unsere normale Musiksprache. Es ist ungeheuer reizvoll diese KlĂ€nge im Konzertsaal zu hören, von normalen Instrumenten gespielt. Erstaunlicherweise sind sie manchmal sehr harmonisch und rhythmisch, als ob sie bereits komponiert worden sind. Ich bin sehr gespannt, wie das live klingen wird.

Kubisch:

Ich habe mir von Carolas Aufnahmen Teile ausgesucht, die eigentlich nicht im Mittelpunkt ihrer StĂŒcke stehen, sozusagen die versteckten SchĂ€tze ihrer Kompositionen. Mich interessieren besonders Klangfarben und deren Wahrnehmung. FĂŒr mich war es neu, instrumental genau notierte KlĂ€nge mit den elektromagnetischen Aufnahmen zu kombinieren, die oft bei der Aufnahme durch intuitive Körperbewegungen strukturiert werden.

Im Grunde geht es uns beiden wohl darum, das Bekannte in einen anderen Kontext zu setzen, der Fragen aufwirft und vielleicht unsere normalen Hörgewohnheiten verÀndert.

Am Dienstag 7 Februar gibt es eine öffentliche Probe im Muziekgebouw,
davor spreche ich mit den beiden Komponisten.
Anfang 12.30 Uhr, Eintritt frei auf Reservierung.

In 2012 sprach ich Carola Bauckholt bevor ein PortrĂ€tkonzert im Muziekgebouw aan ‘t IJ des Ives Ensemble

Interview Carola Bauckholt from Radio4 Eigentijds on Vimeo.

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Pirate-style induction coil microphone to listen to EM-waves in the environment.

#ArtScienceMinor #ChristinaKubisch

Experimental Music Playlist: Field

An experimental music playlist centering works that engage with field recordings and other related sound practices.

Experimental Musician: Gahlord Dewald