Das haben sich Bonns WĂ€hler*innen selbst eingebrockt â und die GrĂŒnen, die sie in Unkenntnis liessen
mit Update nachmittags
Das Ungemach ist da. Der einstige Pressesprecher der in unserer Stadt allseits beliebten Bundesanstalt fĂŒr Immobilienaufgaben hat es zum OberbĂŒrgermeister von Bonn gebracht. Diese Anstalt bekam von ihrer Besitzerin, der neoliberal orientierten Bundesregierung mit ihrem Finanzminister SchĂ€uble, die Aufgabe zugeteilt, zur âSchwarzen Nullâ beizutragen, also: fĂŒr Cashflow sorgen. Das tat sie und tut es immer noch, wie es die Bundesregierung pflegt: Investitionen unterlassen, vergammeln lassen, und dann privatisieren, einzeln oder lieber gleich im Paket. Mieter*innen und ihr bisschen Miete interessieren da nicht. Die Mehrheit der Mieter*innen in diesem Land kennt das Problem. Aus der vom Statistischen Bundesamt errechneten âEigentumsquoteâ von 41,9% ergibt sich eine Bevölkerungsmehrheit von 58,1% ohne Immobilienbesitz. Wenn die sich zusammenschlössen, hĂ€tten wir hier Revolution. Aber dazu spĂ€ter.
Gleich nach seinem Wahlsieg beschĂ€ftigte sich die interessierte Minderheit an Bonner Stadtöffentlichkeit damit, dass sich der frisch gewĂ€hlte OberbĂŒrgermeister und sein Stab auf merkwĂŒrdige Weise in einen GrundstĂŒcksdeal am Flugplatz Hangelar eingemischt hat. Wenn es nach mir gegangen wĂ€re, gĂ€be es den schon lange nicht mehr, weil er eine stete Quelle des LĂ€rmterrors ist. Wer fliegen will, kann mit dem Bus nach Köln-Wahn fahren. Und darf es dort, anders als in DĂŒsseldorf und Frankfurt, sogar mitten in der Nacht treiben.
An diesem Flugplatz ist die Stadt Bonn als EigentĂŒmerin beteiligt. Und 5 Jahre grĂŒn-rote Koalition haben nicht ausgereicht, daran auch nur wenige Dezibel zu Ă€ndern. Einer der zahllosen GrĂŒnde fĂŒr die Wahlniederlage gegen die heute regierenden Deppen. Und die wurden, was fĂŒr ein Zufall, zur Kommunalwahl von einem Busunternehmer bespendet, der eigene Interessen an ebendiesem GrundstĂŒcksdeal hatte.
Diese genannte GrunstĂŒcksaffĂ€re sorgte dafĂŒr, dass der Chef einer wichtigen Infrastruktur dieser Stadt, nĂ€mlich der Stadtwerke Bonn (Energie, Wasser, Verkehr, alles was eine Stadt so braucht) verĂ€rgert das Weite suchte. Mit diesem OB (und seinen Leuten) war fĂŒr ihn eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Das denken, wie mittlerweile auch den ĂŒbriggebliebenen lokalen Medien bekannt wurde, zahlreiche, vielleicht sogar die Mehrheit, der stĂ€dtischen FĂŒhrungskrĂ€fte ganz Ă€hnlich.
Zum Beispiel der Chef der stĂ€dtischen Wohnungsgesellschaft Vebowag. Ich bin jetzt zehn Jahre aus der hauptberuflichen BeschĂ€ftigung mit Bonner Kommunalpolitik raus. Zu meiner Zeit, bis 2016, war dieser Mann die Rettung fĂŒr die Vebowag. Die wurde, wie einer, der es wissen musste, mir noch heute versichert, zuvor âgefĂŒhrt wie eine Pommesbudeâ. Als ich 1999 meine Wohnung bei der Vebowag kaufte, war der gutdotierte Notar fĂŒr den Kaufvertrag der langjĂ€hrige Ex-OB Hans Daniels (1975-94) â nee, was fĂŒr ein Zufall. Und meine Wohnung war nur eine in einem Bauprojekt von 76 Wohnungen.
Unter der Leitung von Kleine-Hartlage wurde die Vebowag erstmals wie ein professionelles Unternehmen gefĂŒhrt. Der Mann machte sich dabei nicht nur Freund*inn*e*n, weil er auch rustikal und durchsetzungsstark konnte â und offenbar noch kann. Denn wenn die Stadt Bonn plus andere öffentliche Einrichtungen es vorziehen, wertvollste BauflĂ€chen an mafiöse Privatinvestoren zu versemmeln, statt an ihre eigene öffentliche Wohnungsgesellschaft, die nun schon seit Jahrzehnten die einzige ist, die ĂŒberhaupt noch Sozialwohnungen realisiert hat, dann machen sie sich selbst zur Mafia. Da verliert nicht nur Kleine-Hartlage jeden Humor.
Denn mit den Luxuswohnungen, die ĂŒberall in dieser Stadt immer weiter entstehen können, die zudem scheisse aussehen, aber wer drin ist, muss sie ja nicht angucken, können Kapitalanleger*innen, die vor Geld kaum laufen können, was anfangen. Ihr lukrativstes âGeschĂ€ftsmodellâ von Trump bis Bonn ist immer: PlĂŒndern von öffentlichem Eigentum. Wohnungssuchende und Mieter*innen (s.o. 58,1%) können da nicht mitspielen, und interessieren also nicht.
Was ich hier am Beispiel unserer Stadt beschreibe, ist in diesem Land der wirkmĂ€chtigste Klassenkonflikt. Und die Frage, die ich mir selbst nicht beantworten kann, ist: warum niemand diesen Klassenkonflikt von unten politisch organisiert. Geht es den Bonner*innen immer noch zu gut, dass sie nicht können, was die nun zweifellos nur selten zurechnungsfĂ€higen Berliner*innen können? Wie lange wollen Gewerkschaften, Mieterorganisationen, GrĂŒne, SPD und Linke noch in der rheinischen SommerschwĂŒle dahindĂ€mmern?
Wie wĂ€re es fĂŒr den Anfang mal mit eigenen Medien? Denn die ĂŒbriggebliebenen erreichen die Mehrheit der Bevölkerung so wenig, wie es âdie Politikâ tut. Es geht um mehr als Wohnungen â obwohl das allein schon reichlich wĂ€re â sondern um die Rettung der Demokratie. Aber klar, dafĂŒr ist Bonn nicht mehr zustĂ€ndig.
Update nachmittags
Kinder, nehmt den Erwachsenen die Kommunikationsmittel weg!
Guckt mal hier, der Bonner SC, da geht es zu wie im BĂŒro des OBs â 4. Liga, aber da immerhin Mittelfeld âŠ
Der WDR versucht mit âRecherchenâ zu strunzen, wie schlechte Chef*innen einzelne Landesminister*innen sind. Was fĂŒr ein KunststĂŒck. Fragen Sie mal x-beliebige Freund*inn*e*n und Bekannte nach ihren Chef*innen. Wie das wohl ausgeht? Mein Tipp: wie bei uns in Bonn, im Rathaus und im Sportverein.
Konsequenz? Sie machen alles noch schlimmer. Nina Kolleck/BlĂ€tter: âDie TikTok-Demokratie â Die Nutzung von Smartphones nimmt bei vielen Kindern und Jugendlichen problematische AusmaĂe an und hat nicht selten gravierende Auswirkungen auf deren psychisches Wohlbefinden und ihr Selbstbild, aber auch auf die Gesellschaft insgesamt. Doch angesichts dessen ein Social-Media-Verbot zu fordern, greift zu kurz. Vielmehr gilt es, die Plattformbetreiber in die Verantwortung zu nehmen.â
Konsequenz dieser âDemokratieâ: die Scheinriesen lassen sich zu einem sonnigen âGipfelâ im Sauerland zusammentreiben, um â so ihre fragile Hoffnung â dort ein paar gut ausgeleuchtete Suggestivbilder zu produzieren. Was wird dort fĂŒr die einschlĂ€gigen âSatireâ-Formate vom Stehtisch gekrĂŒmelt? Die Spannung in den selbsreferentuiellen Kreisen nĂ€hert sich dem Siedepunkt.
Das ist so arm, wie Politiker*innen, Journalist*inn*en und Erzbischöfe heute dran sind. Der deutsche Korporatismus beim Konkursverschleppen. Welche U10-jÀhrigen soll das noch beeindrucken?