Ein Hotel voller Narren – „Il viaggio a Reims“ bei den Salzburger Pfingstfestspielen (2. Rezension)
Elena Deinhammer
Aus heutiger Sicht mag es verwunderlich erscheinen, dass Gioachino Rossini sein anlässlich der Krönung des französischen Königs Karl X. komponiertes Dramma giocoso „Il viaggio a Reims“ nach nur vier Aufführungen absetzen ließ. Während der Komponist einen Teil des musikalischen Materials in „Le comte Ory“ wiederverwendete, hütete er den Rest bis zu seinem Tod. Danach gelangte die autographische Partitur von Ort zu Ort, bis sie schließlich in der römischen Accademia di Santa Cecilia in archivalischen Tiefen versank und erst 1977 wiederentdeckt wurde. Seit der ersten Aufführung der rekonstruierten Fassung im Jahr 1984 hat das Werk wieder Einzug auf den Opernbühnen erhalten – so nun auch auf jener im Haus für Mozart bei den Salzburger Pfingstfestspielen. Dass das Manuskript so lange in der nach der heiligen Cecilia benannten Accademia verwahrt lag, wird hier zu einem witzigen Zufall, denn Regisseur Barrie Kosky, der bereits im vergangenen Jahr das umjubelte Pasticcio „Hotel Metamorphosis“ inszenierte, verwandelt die ohnehin komische Oper in ein rauschhaftes, vor Situationskomik und grotesker Überzeichnung sprühendes Ereignis, das zugleich zu einem Teil der ausführlichen Geburtstagsfeierlichkeiten der künstlerischen Leiterin Cecilia Bartoli wird. Bei aller guten Unterhaltung und musikalischen Leistungen auf Hochspannung stellt sich allerdings auch eine gewisse Übersättigung ein, die ein Dessert – und ein solches sollte diese Reise nach Reims à la Kosky sein – eigentlich nicht bieten sollte. (Rezension der Premiere v. 22. Mai 2026 // 2. DAS OPERNMAGAZIN-Besprechung) […]







