Die Erzählung lautet: Die Deutschen faulenzen, und deshalb geht es der Wirtschaft schlecht. Wer diese Prämisse akzeptiert, akzeptiert auch die politischen Schlussfolgerungen. Doch die Prämisse ist falsch — und die verwendeten Statistiken sind methodisch so manipuliert, dass man ohne Übertreibung von einer Irreführung der Öffentlichkeit sprechen kann.
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Die große Arbeitszeitlüge
Die Erzählung und ihr Ziel „Insgesamt ist die Arbeitsleistung unserer Volkswirtschaft nicht hoch genug. Mit Work-Life-Balance und Viertagewoche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten — und deswegen müssen wir mehr arbeiten." So sprach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Januar 2026 beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sekundierte im März 2026 vor der Bertelsmann Stiftung: „Wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen." Und der langjährige grüne Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, schloss sich bereits im Frühjahr 2025 an: „Wir müssen mehr arbeiten. Dass wir ausgerechnet in einer Krise weniger arbeiten wollen, ist völlig aus der Zeit gefallen." Diese Aussagen sind kein Zufall. Sie bereiten den Boden für zwei konkrete politische Projekte: Die Abschaffung des täglichen Höchstarbeitszeitlimits (acht Stunden laut Arbeitszeitgesetz) zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit — im Koalitionsvertrag bereits vereinbart. Die Ausweitung der Lebensarbeitszeit durch späteres Renteneintrittsalter, Einschränkung der Rente mit 63 und Anreize für Arbeit über das Rentenalter hinaus. Die Erzählung lautet: Die Deutschen faulenzen, und deshalb geht es der Wirtschaft schlecht. Wer diese Prämisse akzeptiert, akzeptiert auch die politischen Schlussfolgerungen. Doch die Prämisse ist falsch — und die verwendeten Statistiken sind methodisch so manipuliert, dass man ohne Übertreibung von einer Irreführung der Öffentlichkeit sprechen kann.






