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Vom WiderstĂ€ndigen zum schonend Zubereiteten – 100 Jahre Hörspiel

Was das Hörspiel einmal konnte und nach 100 Jahren immer noch kann (wenn es denn will)

Am 24. Oktober 1924 ging in Deutschland das erste Hörspiel ĂŒber den Frankfurter Sender. Doch die Lust in den Rundfunkanstalten, den 100. Geburtstag feierlich zu begehen, hĂ€lt sich in Grenzen. Zu gravierend sind die aktuellen Transformationsprozesse.

Mit der „Zauberei auf dem Sender“, die als das erste deutsche Hörspiel am 24. Oktober 1924 ĂŒber den Frankfurter Sender ging, verfĂŒgt das Hörspiel in Deutschland ĂŒber ein GrĂŒndungsdokument, das in seinen Figuren, seiner Spielhandlung und seiner Konstruktion die Bedingungen, Begrenzungen und Möglichkeiten des Hörspiels reflektierte. Anders als die frĂŒhen Hörspiele aus Großbritannien und den USA, die entweder traditionelle Formen fĂŒr das neue Medium adaptierten und/oder das Radio als „blindes“ Medium auffassten und damit den Verzicht auf alles Optische fĂŒr medienadĂ€quat hielten, ging Flesch mit seinem als „Versuch einer Rundfunkgroteske“ untertitelten StĂŒck ĂŒber das akustische Medium hinaus.

Doch gerade dadurch zeigte er dessen spezifische Möglichkeiten. Denn selbstverstÀndlich rÀcht sich der Zauberer am Radio und an der Verwaltungsstruktur, die hinter ihm steht, indem er das Medium selbst verzauberte.

Nicht umsonst nennen sich ZauberkĂŒnstler selbst Illusionisten – und keine Illusion ist stĂ€rker als die einer medial vermittelten RealitĂ€t. Das lernten die Amerikaner, als der junge Orson Welles 1938 mit „The War of the Worlds“, in einer Radioadapation von H.G. Wells Roman, von einer Invasion der Marsmenschen berichten ließ. In Europa hatte zuvor die Legion Condor Guernica bombardiert und weitreichendere Invasionen kĂŒndigten sich an. Außerdem waren die Hörer an das Prinzip der „Live“-Reportage durch Herbert Morrisons im Wortsinn atemberaubende Berichterstattung vom Absturz des Luftschiffs LZ 129 „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 in Lakehurst gewöhnt. Eine Katastrophe, die ironischerweise gar nicht live ĂŒbertragen wurde, sondern als Mitschnitt auf Platte erst zeitversetzt ĂŒber den Sender ging. Man hört Morrisons Aufforderung an seinen Tonmann Charles Nehlsen „Get this Charlie, get this Charlie“ als der Zeppelin in Flammen aufgeht, auf der Aufnahme.

Die Lektion, die die Hörerschaft damals lernte war die folgende: „Die RealitĂ€t des Radios ist die RealitĂ€t des Radios – oder die Marsmenschen kommen“, wie der langjĂ€hrige Leiter des Studio Akustische Kunst, Klaus Schöning, spĂ€ter ein Radiofeature und einen Aufsatz betitelte. Der Titel enthĂ€lt bereits die Medienanalyse und die Angst davor, was passiert, wenn man die mediale RealitĂ€t mit der echten verwechselt. In Deutschland konnte man diese Lektion schon mit dem ersten Hörspiel lernen. Und der gelehrigste SchĂŒler war der spĂ€tere Reichsminister fĂŒr VolksaufklĂ€rung und Propaganda, Joseph Goebbels: „Der Rundfunk gehört uns, niemandem sonst“, ließ er am 25.3.1933 verlauten.

Doch auch in privatwirtschaftlich bewirtschafteten Mediensystemen wissen Leute wie Ex-Trump-Berater Steve Bannon und MultimilliardĂ€r Elon Musk, wie man das „ungeheure Kanalsystem“, als das Bertolt Brecht das massenmediale System seiner Zeit bezeichnet hat, mit „Scheiße“ flutet.

Das Radio denkt ĂŒber sich nach

Seit der „Zauberei auf dem Sender“ (Fassung von 1964) ist es das Hörspiel selbst, das ĂŒber sich und ĂŒber das Radio nachgedacht hat. Christian Hörburger hat in seinem Text (vgl. MD 40/24) schon auf Wolf Wondratscheks „Paul oder die Zerstörung eines Hörbeispiels“ hingewiesen, das schon 1969 wusste, dass ein Hörspiel nicht den Vorstellungen entsprechen muss, die ein Hörspielhörer von einem Hörspiel hat. Das StĂŒck gehört ĂŒbrigens zu der Hörspiel-Collection „100 aus 100“, in der die ARD vom 19.10.2023 bis zum 2.8.2024 einhundert StĂŒcke aus der einhundertjĂ€hrigen Geschichte des Hörspiels die ihre Audiothek gestellt hatte.

Doch allzu viele StĂŒcke gibt es dort nicht, die sich mit der Selbstreflexion oder der Reflexion ihres Mediums beschĂ€ftigen. Dass es ĂŒberhaupt einer Reflexion des Hörspiels im Hörspiel bedarf, ist zweierlei geschuldet. Zum einen gab es einen blinden Fleck in der Wissenschaft, die jahrzehntelang nicht wusste, in welches Fachgebiet sie die einzige akustische Kunstform, die ein Medium hervorgebracht hat, einzuordnen hatte. Zum anderen hat man sich von der Theoriebildung im Radio verabschiedet. Um Klaus Schönings GesprĂ€che mit Autoren, Komponisten und KlangkĂŒnstlern zu veröffentlichen, musste der Musikverlag Schott eine DVD bespielen. Heute sind fast alle SendeplĂ€tze, in denen Platz fĂŒr eine tiefere Reflexion der Gattung wĂ€re, abgeschafft worden.

Selbst der Podcast „Hauptsache Hörspiel“ – allmonatlich im Anschluss an die Ausstrahlung des Hörspiels des Monats im Deutschlandfunk zu hören – erzielt nicht die Reichweite, die man sich von ihm versprochen hat. Bestimmt liegt es nur an der mangelhaften Distribution in der ARD Audiothek, wo man keinen eigenen Feed hat. Vielleicht aber auch an der penetrant frĂŒhstĂŒcksradiohaften guten Laune, mit der Max von Malotki und Hanna Steger ihre AutorengesprĂ€che fĂŒhren. Wahrscheinlich passt dieser Ton aber zu dem Sound, den man fĂŒr die Ansprache einer jĂŒngeren Hörerschaft fĂŒr angemessen hĂ€lt. Und das Traurige ist: Wie man in die Zielgruppe hineinruft, so schallt es heraus. Denn man bekommt immer genau das Publikum, das man verdient.

Das Radio zum Tanzen bringen

Dem Publikum das vorzuspielen, von dem es noch nicht wusste, dass es es hören wollte, gehört zu den vornehmsten Aufgaben des öffentlich beauftragten, linearen Rundfunks. Da ist es mitunter hilfreich, dem Radio seine eigene Melodie vorzuspielen, um es zum Tanzen – oder, im Fall von Fleschs „Zauberei“, beinahe unter seiner Eigenresonanz zum Bersten zu bringen. In seinen Radiocollagen, die er selbst „Hörtexte“ nannte, tat das Ferdinand Kriwet zwischen 1962 und 1983. Seine StĂŒcke hießen unter anderem „Radio“, „Radioball“ und „Radioselbst“.

Ein Echo davon produzierten 1999 Christian Berner und Frank SchĂŒltge (alias Rebresch und Blumm) mit ihrer 15-minĂŒtigen Collage „Formal Radio“, bei der man in Sekundenbruchteilen hört, dass das Radio einen anderen Klang hat als zu Kriwets Zeiten. Denn es sind wirklich nur Sekundenbruchteile, die man braucht, um zu erkennen, ob man gerade Werbung, Wetter und Verkehr; Jazzradio oder ein Hörspiel hört. Digital lĂ€sst sich das natĂŒrlich erheblich einfacher montieren als mit analogen Bandschnipsel, die Kriwet penibel zusammengeschnitten hatte.

Ludwig Harigs „StaatsbegrĂ€bnis“ aus dem Jahr 1969 arbeitete mit Ă€hnlichen Mitteln der Collage und Montage und lauschte außerdem hinter die Kulissen der Radioreportagen der Beisetzung von Bundeskanzler Konrad Adenauer. Das gefiel weder der Journalistengewerkschaft noch dem damaligen Intendanten des SaarlĂ€ndischen Rundfunks, einem ehemaligen persönlichen Referenten Adenauers, der ein AuffĂŒhrungsverbot erließ – eine Zensurmaßnahme, die sich im Nachgang glĂŒcklicherweise als wirkungslos erwies.

Der Hörer im Fokus

Die Hörer vor dem Radio ins Radio zu holen, mit denen zu sprechen, ĂŒber die sonst nur gesprochen wurde, war Ziel des O-Ton-Hörspiels, das auch Ende der 1960er Jahre entstand und mit den Namen Paul Pörtner, Paul WĂŒhr und Erika Runge verbunden ist. WĂŒhr wurde 1972 fĂŒr sein „Preislied“ zwar mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet, sein vom Bayerischen Rundfunk im gleichen Jahr produziertes O-Ton-StĂŒck „So eine Freiheit“ wurde aber erst zwanzig Jahre spĂ€ter, 1992, vom Sender Freies Berlin (SFB) urgesendet. Wahrscheinlich waren die Schilderungen des ganz normalen sexuellen Elends der Frauen der damaligen Dramaturgengeneration zu entlarvend.

Den Hörer zum Teil einer Radio-Performance zu machen, gelang dem Fluxus-KĂŒnstler Wolf Vostell 1969 in dem Aktionsspiel „Hundertmal hören und spielen“ fĂŒr das literarische Studio des WDR. Da gingen Anweisungen an die Hörer heraus, wie beispielsweise: „Lecken Sie die Schaltknöpfe Ihres Radios“ oder „Schlagen Sie 17 Mal ihre KĂŒhlschranktĂŒr zu“. Dazu gab es ein Livepublikum im kleinen Sendesaal und live zugespielte Anrufe von irritierten bis engagierten Hörern. So fröhlich-anarchisch ging es seitdem im Radio nie wieder zu.

Trotz gegenteiliger Beschwörungen, dass das Internet jetzt eine neue Art von InteraktivitĂ€t zwischen Hörern und Sendern ermöglichen soll, ist die Hörerschaft wieder jene Masse, die von einem Distributionsapparat gefĂŒttert werden soll. Am Programm mitwirken darf sie in Hörerbefragungen und Fokusgruppen. Den Rest ĂŒbernahm frĂŒher die Beraterbranche – und ĂŒbernehmen heute die Algorithmen großer IntermediĂ€re.

Noch aus der Rundfunkberaterzeit stammt Rafael JovĂ©s Satire „Das Radio ist nicht Sibirien“ (Kritik hier) aus dem Jahr 2012, die am Lehrstuhl fĂŒr Experimentelles Radio an der Bauhaus-UniversitĂ€t in Weimar entstanden ist. Dort hatte die fiktive Hörerforschung etwas ErschĂŒtterndes herausgefunden: „Unser Angebot war fĂŒr das Interesse eines einzelnen Menschen zu vielfĂ€ltig, also mussten wir die Vielfalt ein wenig auf Sie zuschneiden“, heißt es im Hörspiel.

Die Genauigkeit der Parodie fĂŒhrte dazu, dass vor der Ausstrahlung beim WDR die Programmdirektion gefragt werden musste. Es wurde dann vor der Sendung darauf hingewiesen, dass der fiktive Sender „FDR 2“ nichts mit WDR 3 zu tun habe. Und weil keine Satire grob genug sein kann, um nicht als Gebrauchsanweisung missbraucht zu werden, gelten einige der Maximen des formatierten Kulturradios aus JovĂ©s StĂŒck immer noch. Unter anderem die, dass der Hörer behandelt werden muss wie ein kranker Verwandter: schonend. Heute sind wir einen Schritt weiter: falls etwas die Harmlosigkeitsgrenze auch nur touchieren könnte, setzt es bei einigen Sendern eine „Triggerwarnung“.

Nicht ohne Triggerwarnung!

Ohne Triggerwarnung dĂŒrfte Edgar Lipkis StĂŒck „Feedback Nigger Radio Reservation“ aus dem Jahr 2013 (Kritik hier) auch nicht mehr ĂŒber den produzierenden Sender, den Westdeutschen Rundfunk, gehen. Nicht nur, dass das N-Wort darin vorkommt, auch ritualisierte, antikolonialistische Verfahrensweisen werden dort ironisiert. Das ganze vollzieht sich aber in verschiedenen RĂŒckkopplungsschleifen, die unterschiedliche Konzepte von IdentitĂ€ten durchspielen und sich in einem (Kultur-)Radio-Reservat abspielen: „Klar kannst du was ĂŒber koloniale Vergangenheit machen. Wenn ich aber dann nur Diskurs, Diskurs höre und dazwischen alles minus 25 db, dann: danke fĂŒr ihre RundfunkgebĂŒhren“, mault Astrid Meyerfeldt als Rundfunkredakteurin.

Unser Radio, oder noch besser das „Radio, unser 
“ bekommt da gar religiösen Charakter und muss unbedingt gerettet werden. Die temporeiche und hochkomische Inszenierung stellte große Fragen und fordert intellektuell heraus – etwas, was man der an Schonung gewöhnten Hörerschaft heute immer seltener zumuten will.

Einen Endpunkt des algorithmisierten Radios hat schon im Jahr 2002 Eran Schaerf in seinem vom Bayerischen Rundfunk produzierten StĂŒck „Die Stimme des Hörers“ inszeniert. Nur eine einzige Stimme, die des BR-Nachrichtensprechers Peter Veit, spricht den automatischen Moderator eines fiktiven Talkradios fĂŒr Höreranrufe, die Anrufer und zugleich die Software, die den Sender steuert. Schon damals fĂŒgte die Software den Äußerungen der Hörer „Alternativen“ hinzu, wenn es um die Namen von Orten, Personen oder Kriegen ging – und das Jahre bevor Kellyanne Conway den Begriff „alternative Fakten“ prĂ€gte. Es wĂ€re interessant, von Eran Schaerf, der sich nicht nur in diesem StĂŒck mit den medialen VerhĂ€ltnissen auseinandergesetzt hat, ein Hörspiel ĂŒber gegenwĂ€rtige Medienkonfigurationen unter Bedingungen generativer Text-, Bild- und Tongeneratoren, sogenannter KĂŒnstlicher Intelligenzen zu hören.„

Auch die Verwaltung kann schön klingen

Fehlt nur noch das, was das RĂŒckgrat des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland ausmacht: der Apparat. Die Großstruktur, die von der Sendetechnik bis zur Abwicklung von Honoraren und Lizenzen den Betrieb am Laufen hĂ€lt, um den eigentlichen Zweck zu erfĂŒllen: Programm zu machen. Wie in jeder Großorganisation entwickelt der Verwaltungsapparat eine eigene Schwerkraft der Selbsterhaltung und je geringer der Anteil ist, der fĂŒr Programm ausgegeben wird, desto dysfunktionaler wird er.

Mit einer Facette dieses Hintergrundrauschens hat sich auch das Hörspiel auseinandergesetzt. Der italienische Komponist und KlangkĂŒnstler Stefano Giannotti hat 2014 fĂŒr Deutschlandradio Kultur im Hörpiel „BĂŒrotifulcrazy“ kurzerhand dessen Honorarbedingungen vertont. Weil es Giannotti nicht um billige Pointen ging, baute er die oft unfreiwillig komische Verwaltungssprache in musikalische Strukturen fĂŒr Tierstimmen ein: Vögel, die sich bemĂŒhen „bu-ro-cra-zia“ zu krĂ€chzen und Schweine, die mit dem Nadeldrucker um die Wette grunzen. Die Verwaltung erscheint in Giannottis StĂŒck als autopoietisches, also sich selbst erschaffendes und erhaltendes System – und kann dabei sogar noch schön klingen.

Die Möglichkeiten des Hörspiels haben sich also in den letzten einhundert Jahren technisch wie Ă€sthetisch ebenso weiterentwickelt, wie ihre medialen Umwelten. AnlĂ€sslich des Geburtstags der Gattung gab es aber nur zwei Sender, die dieses JubilĂ€um mit Neuproduktionen feiern wollten. Deutschlandfunk Kultur förderte die auf dem Berliner Hörspielfestival erstmals live aufgefĂŒhrte Radiorevue „FLESCHback“ von Melina von Gagern, Stella Luncke und Barbara Meerkötter und sendete sie in einer neuen Abmischung am 18.10.24 um 0.05 Uhr. Am 25.10. folgte ebenfalls um 0.05 Uhr „Radiologie – Entzauberung auf dem Sender“ von Andreas Ammer und dem Berliner Elektronik-Duo Driftmachine featuring Anton Kaun alias Rumpeln. Es war eine ebenso wĂŒtende wie lautstarke Verabschiedung des Hörspiels, wie wir es kennen. Der Autor dieser Zeilen gehört zum Leitungsteam des Berliner Hörspielfestivals, das die beiden Produktionen mit beauftragt hat.

Bandbreite der Möglichkeiten

FĂŒr den Hessischen Rundfunk zelebrierte Frank Witzel mit der Biografie des fiktiven Hörspielmachers Gerhard Preßler seinen Abschied vom Hörspiel eher melancholisch als wĂŒtend. Der Zweiteiler „Ein Leben im Ton“ wird am 20. und 27.10 auf HR 2 Kultur urgesendet. Witzels StĂŒck, von Leonhard Koppelman inszeniert, speist sich aus großer Kenntnis der Hörspielgeschichte. Viele Hörspielheroen der vergangenen einhundert Jahre tauchen dort auf – und kommen meistens nicht besonders gut weg. Denn auch avantgardistische Kunst ist nicht immer gute Kunst – und Witzels fiktiver Protagonist Gerhart Preßler gehörte eher zu den mittelmĂ€ĂŸigen Vertretern seines Genres.

Sehr gut hingegen kommt Ludwig Harig weg, der nicht nur fĂŒnf Jahre vor Ror Wolf das erste Fußballhörspiel gemacht hat, „in dem Permutation und Anakoluth als rhetorische Formen den Sachverhalt demonstrieren“, sondern der auch „seinerzeit praktisch im Jahresrhythmus ein neues Genre entwickelt“ habe. Da hat Witzel recht. Dem Hörspiel „Das Fußballspiel“ von 1966 folgte 1968 „Der Monolog der Terry Jo“, der zusammen mit dem Pionier der seriellen Poesie Max Bense entstanden war. Dem „StaatsbegrĂ€bnis“ von 1969 folgt 1976 ein zweites – das von Walter Ulbricht. „Katzenmusik“, „Fuganon in d“, „Ein BlumenstĂŒck“, alles herausragende StĂŒcke des an der französischen Avantgarde geschulten SaarlĂ€nders. Harig zeigte dem Hörspiel, was es konnte, wenn es sich selbst ernst nahm und sich nicht als abgeleitete Kunstform, als „Kino im Kopf“ begriff oder gar als SendeplatzfĂŒller fĂŒr gelangweilte, unterhaltungsbedĂŒrftige KulturbĂŒrger.

Die Erinnerung an diese Bandbreite der Möglichkeiten des Hörspiel ist offensichtlich wieder nötig, weil gegenwĂ€rtig der Trend zum schonend zubereiteten Kommensurablen geht – leider auch in den Bereichen, die sich als politisch fortschrittlich wĂ€hnen. Die Antwort auf die Frage, ob sich aus den wöchentlichen Sitzungen der Hörspielabteilungen der Landesrundfunkanstalten in einer virtuellen Gemeinschaftsredaktion und aus den aufwĂ€ndigen Pitches fĂŒr neue Hörspielserien etwas Gutes entwickelt, werden wir ab 2025 hören können. Hoffen wir, dass es nicht erst ein Stefano Giannotti sein muss, der aus diesen Sitzungen Kunst macht.

Jochen Meißner – KNA Mediendienst 24.10.2024

Update: Dieser Text wurde von Christian Bartels freundlich im beim MDR erscheinenden Medienwatchblog „Altpapier“ vom 29.10.2024 erwĂ€hnt.

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Orson Welles Sketchbook - Episode 5: The War Of The Worlds

YouTube

wow! das teil habe ich seit 1999 auf tape und ich habe es sehr sehr oft abgespielt.
das aktuelle Wespennest von DJ Koze feat. Sophia Kennedy hat mich daran erinnert und ich habe mal wieder gesucht . . jetzt ist es da:

https://www.br.de/mediathek/podcast/hoerspiel-pool/bugs-beats-beasts-natural-techno-von-ammer-console/1955374

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„Bugs & Beats & Beasts“ – Natural Techno von Ammer & Console - Hörspiel Pool | BR Podcast

Soundart aus einer Zeit grĂ¶ĂŸerer Artenvielfalt · Echtes und elektronisches Zirpen, Brummen, Klopfen. Natural Techno aus den GerĂ€uschen, wie Insekten sie machen. Ein DJ-Set von Ammer und Console, mit wissenschaftlichen Einblicken ĂŒber den Gesang der Zikaden. Seit dem Entstehungsjahr des Hörspiels 1999 ist die Gesamtmasse an Fluginsekten um mehr als 75 % zurĂŒckgegangen. // Mit Michael Tregor, Prof. Dr. Wilfried Stroh, Katy Le Roy / Regie: Andreas Ammer/Console / BR 1999

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